I.
Bunte Blätter haben den Himmel verlernt.
Sie strömen herab, ohne zu fragen,
landen auf festgetanzten Wegen,
die keiner mehr geht,
und stapeln sich dort zu welken Argumenten.
Laub.
Ein Blatt dreht sich nochmal um,
„Bin ich Herbst, oder ein gefallener Baum?“
Dann blieb es stumm.
II.
Der Baum steht schief.
Ein kräftig gewachsener Irrtum
mit mehrdimensionalem Geäst.
Er murmelt vor sich hin,
sucht nach dem Sinn der Löcher,
die jemand in ihn gehauen hat.
Der Specht sitzt daneben,
pickt an einem Ast, der nicht mehr ist.
„Ich hämmere,“ sagt er, „also …“
Dann stirbt er. Einfach so.
Mitten im Satz.
Der Baum nickt.
„Das,“ sagt er, „war Herbst.“
III.
Der Nebel tritt auf.
Nicht leise, nicht laut,
er kommt wie jemand,
der alle Antworten mitbringt
und dann vergisst,
wo er sie hingelegt hat.
Er legt sich über nackte Bäume,
über das Laub,
über den toten Specht.
Ein graues Leuchten, worin keine Grenzen sind.
„Endlich,“ sagt das letzte Blatt am Ast,
„muss ich nichts mehr bedeuten.“
Es fällt.
Der Baum atmet aus.
Der Herbst ist fertig.
IV. (Bonus: Die Weisheit kommt zu spät)
Die Weisheit erscheint am Waldrand.
Sie trägt ein Kleid aus C und Fis,
ihre Schleppe aus Vergessen
liegt über ihren Wegen,
wie Staub an Fäden.
„Ich bringe Erkenntnis!“ ruft sie.
Der Nebel gähnt.
Das Laub raschelt höflich.
Der tote Specht sagt nichts, weil tot.
„Zu spät,“ murmelt der Baum,
„wir haben schon verstanden.“
„Was denn?“ fragt die Weisheit verzweifelt.
Der Baum zuckt mit den Ästen,
„Dass es egal ist.“
Die Weisheit setzt sich auf einen Baumstumpf,
faltet ihre Schleppe zusammen
und weint ein bisschen.
Der Nebel tätschelt sie,
„Du kannst bei mir bleiben.
Ich verstehe auch nichts mehr.“
V. (Epilog: Der Frühling fragt nach)
Im Frühjahr kommt ein junges Blatt und fragt,
„Was ist hier passiert?“
Der Baum, jetzt wieder gerade, sagt,
„Herbst.“
„Und was bedeutet das?“
Der Baum schweigt lange.
Dann,
„Dass du fragen darfst,
aber keine Antwort kriegst.“
Das junge Blatt nickt weise.
„Verstehe.“
„Nein,“ sagt der Baum, „tust du nicht.
Aber das ist okay.“