Wenn die Worte in ihrer emotionalen Wirkung, in ihrer Intensität und in ihrer inspirativen Verlockung scheinbar verbraucht, ausgelaugt, verworfen und ausgebrannt sind; was bleibt dann von einem gelesenen Buch, außer einem Wissen? Was bleibt von einer Diskussion, außer einem Schweigen? Was bleibt von einem Tag, außer der folgenden Nacht?
Ich meine die Seite die jenseits des Flusses liegt, wo der Verstand das ganze Spektrum der Erfahrung auf eine Ansammlung von Begriffen reduziert und nichts auf andere Art sein Dasein und seinen Zustand formuliert.
Ich betrachte jene Verfassung, in der es gebräuchlich ist in Worten zu denken, in Worten zu Träumen, in Worten zu leben, in Worten miteinander zu reden und schlussendlich das Leben einzig in einem Konstrukt von Begriffen niederzulegen.
Ich zeige das Land, wo sie mechanisch jonglieren mit Worten und Sätzen auf Grundlage eines Regelwerkes von Postulaten, Formalien und Gesetzen. Wo jeder Begriff mit seines gleichen erklärt, kein Ding an sich, ein Gemisch von Worten ist.
Ich gedenke dem Vorgang, wenn das Ersinnte, das Gesehene, das Erlebte sogleich in eine Nomenklatur gepresst jegliche Spielerei über ihre Grenzen hinaus verwehrt. Wo kein Begriff, bei festgelegter Definition, sich selbst entbehrt, die persönliche Entwicklung nur das Vokabularium vermehrt.
Ich mutmaße, dass in diesem Zustand, Erkenntnis weniger Erkennen ist, sondern vielmehr die definitionsbedingte Vernetzung von Begriffen. Phantasie ein Würfelspiel der Begriffe. Erleben die Auswahl eines Begriffes. Glückseligkeit die allumfassende Definition.
Und du begehrst die Geisteswissenschaft?
Laß uns lieber Tanzen bis in den Rausch, wir wären ein Wesen und erfüll Dich mit Erleben!
Levion
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